Fragen zu unserer neuen Versandplattform und die Antworten unseres CTO Benjamin Hauser.
❓HVS32 funktioniert und viele Kunden sind zufrieden. Warum entwickelt ihr trotzdem etwas Neues?
Weil wir möchten, dass unsere Kunden auch langfristig auf eine leistungsfähige und sichere Versandlösung zählen können. Technologien, Sicherheitsanforderungen und Versandprozesse entwickeln sich weiter. Wir bringen 35 Jahre Erfahrung mit Versand und Logistik sowie 25 Jahre Erfahrung mit HVS32 auf eine neue technische Grundlage. Bewährte Funktionen nehmen wir fachlich mit. Gleichzeitig berücksichtigen wir, was wir über die Jahre aus Grenzen und Umwegen gelernt haben.
❓ Was werden Kunden davon im Alltag zuerst bemerken?
Die Geschwindigkeit und die moderne, browserbasierte Oberfläche. Unser Ziel sind spürbar schnellere Abläufe und eine übersichtliche Bedienung, für die keine separate Client-Installation an jedem Arbeitsplatz nötig ist. Das Erscheinungsbild lässt sich an das Unternehmen anpassen. Die Anmeldung können wir über die bestehende zentrale Benutzerverwaltung des Kunden einbinden – inklusive Single Sign-On. Außerdem machen wir Abläufe transparenter: Kunden sollen direkt sehen können, was gerade verarbeitet wird, wie weit ein Vorgang fortgeschritten ist und wo gegebenenfalls Handlungsbedarf besteht.
❓ Und wenn ein Unternehmen mehrere Standorte oder für verschiedene Auftraggeber versendet?
Genau solche Strukturen berücksichtigen wir von Anfang an. Heidler UNIFY führt mehrere Mandanten, Standorte, Auftraggeber und Versanddienstleister in einer Plattform zusammen. Multi-Tenant, Multi-Client und Multi-Carrier schaffen dafür die Grundlage. Daten, Berechtigungen und Konfigurationen bleiben dabei entsprechend getrennt. So können Kunden ihre Versandlogistik zentral steuern und gleichzeitig unterschiedliche Abläufe abbilden.
❓ Da kommt einiges zusammen. Und was bedeutet das für die Geschwindigkeit?
Wir legen Heidler UNIFY auf mehrere Hunderttausend bis Millionen Packstücke täglich aus, bei entsprechend dimensionierter Infrastruktur. Dafür greifen mehrere Dinge ineinander: eine neue Datenbankbasis, eine neue Engine für die Etikettenerstellung und eine Architektur, die Aufgaben parallel über mehrere Threads, Prozesse und Instanzen verarbeitet. Wächst das Versandvolumen, können wir gezielt die Komponenten skalieren, die zusätzliche Leistung benötigen. Unser Ziel sind kürzere Verarbeitungszeiten und Reserven für Auftragsspitzen.
❓ Leistung ist wichtig. Aber der Versand muss auch laufen, wenn sich im Hintergrund etwas ändert. Wie geht ihr damit um?
Unsere Microservice-Architektur ermöglicht es, Komponenten und Carrier-Anbindungen unabhängig voneinander weiterzuentwickeln und zu aktualisieren. Neue Versionen sollen parallel zur laufenden Version starten, geprüft und anschließend möglichst nahtlos aktiviert werden. Bei Problemen ist ein Rückwechsel auf die vorherige Version vorgesehen. Im Self-Hosted-Betrieb behält der Kunde die Kontrolle darüber, wann Updates eingespielt werden. Dazu gehören für uns auch aktive Hinweise auf sicherheitsrelevante Aktualisierungen.
❓ Apropos Sicherheit: Im Versand verarbeitet ihr viele personenbezogene Daten. Wie schützt ihr die?
Beim Datenschutz setzen wir auf Privacy by Design und Privacy by Default. Wir berücksichtigen den Schutz personenbezogener Daten bereits in der Architektur und sehen datenschutzfreundliche Voreinstellungen vor. Ein zentraler Baustein ist unser verschlüsselter Daten-Vault. Andere Datenbankbereiche, Logs und Auswertungen arbeiten soweit möglich mit Ersatzwerten und Referenzen statt mit personenbezogenen Klartextdaten. Wo die Verarbeitung Klardaten benötigt, begrenzen und protokollieren wir den Zugriff. So reduzieren wir die Verbreitung sensibler Daten innerhalb des Systems.
❓ Und wie schützt ihr das System selbst?
Das ist die ergänzende Aufgabe der Informationssicherheit: Systeme und Daten vor unbefugtem Zugriff, Manipulation und Ausfällen schützen. Dafür setzen wir auf Security by Design und by Default, verschlüsselte Kommunikation, klare Berechtigungen und nachvollziehbare Zugriffe. Unser Zero-Trust-Ansatz bedeutet, dass auch interne Dienste sich authentifizieren und ihre Zugriffsrechte nachweisen müssen. Zusätzlich ist Heidler UNIFY DMZ-fähig: Die nach außen erreichbare Schnittstelle kann in einem separat abgesicherten Netzwerkbereich betrieben werden, während die eigentliche Verarbeitung und Datenhaltung im geschützten internen Netz bleiben. So begrenzen wir die von außen erreichbaren Teile des Systems und reduzieren die Angriffsfläche. Datenschutz und Informationssicherheit greifen dabei ineinander. Beide brauchen eigene Maßnahmen.
❓ Muss man für diese Plattform künftig in die Cloud wechseln?
Nein. Heidler UNIFY wird cloudfähig, startet aber als Self-Hosted-Lösung: unter Windows oder containerisiert unter Linux, auch für entsprechend orchestrierte Containerumgebungen. Später werden wir eine SaaS-Lösung ergänzen. Self-Hosted bleibt dauerhaft eine Option. Unsere Kunden sollen das Betriebsmodell wählen können, das zu ihren Anforderungen und ihrer IT passt.
❓ Was bedeutet der Wechsel für bestehende Schnittstellen und individuelle Prozesse?
Der Erhalt bestehender Schnittstellen ist fest im Konzept verankert. Ein Gateway nimmt vorhandene Formate entgegen und übersetzt sie für die neue Plattform. Damit wollen wir den Anpassungsaufwand auf Kundenseite möglichst gering halten. Kundenspezifische Abläufe setzen wir über gekapselte Skripte um, beispielsweise für Prüfregeln oder die Sendungsbildung. Die gemeinsame Softwarebasis bleibt dadurch updatefähig. Individuelle Anforderungen und eine langfristig wartbare Plattform gehören für uns zusammen.
❓ Ihr sprecht bewusst von einer Plattform. Was kommt über den Versand hinaus dazu?
Wir schaffen die Grundlage, um weitere Funktionen als eigenständige Module anzudocken. Geplant sind unter anderem Tracking, Frachtkostenmanagement, ein Retourenportal und Zollabwicklung. Diese Module werden wir schrittweise entwickeln und in die gemeinsame Plattform integrieren. So kann Heidler UNIFY künftig weitere Bereiche der Versandlogistik abdecken und mit den Anforderungen unserer Kunden wachsen.
❓ Und worauf freust du dich persönlich am meisten?
Darauf, dass unsere Kunden erleben, was wir gemeinsam geschaffen haben, damit arbeiten und uns ihre Rückmeldungen geben. Schon jetzt macht mir die Zusammenarbeit richtig viel Freude. In Heidler UNIFY steckt das Wissen vieler Menschen aus Entwicklung, Vertrieb, Service und Integration. Dieses Wissen gemeinsam in Software zu verwandeln, die unseren Kunden den Alltag leichter macht, ist für mein Team und mich ein großer Antrieb. Genau dafür machen wir das!




